Fr 25 Jan 2008
Buch - Der erste Schultag
Geschrieben von Wolfgang unter Biografie
Ich wachte morgens auf und musste schon früh morgens am Zipfel spielen. August 1968. Dabei hatte ich nicht an diese gelben Minikleider gedacht. Diesmal stand Mama am Bett und faselte was davon, heute sei mein erster Schultag. Also dachte ich mit einem Steifen darf man in die Schule. Wie hat die das gemerkt?
Ich bemerkte in der neuen Wohnung zu sein. Ein Dreckloch. Der Grund warum ich damals Dieter so mochte, er hasste es auch, obwohl er es nicht kannte. Ich schlief bei Mama im Zimmer. Die vielen Zimmer standen fast alle auf, und alles nicht so eng wie bei Oma. Alle schliefen auf dem Boden auf Matrazen. Alle sahen aus wie Mädchen wegen der langen Haare. Mir wuchsen auch schon lange Haare, blind, und zerzaust. In den Zimmern standen viel mehr von diesen italienischen Flaschen, das war gut. Aschenbecher, voll bis oben. Kalter Rauch. Schweiß, Furz und süßer Rauch. Ich suchte erstmal nach den Weinflaschen, wo noch was drin war.
“Los wir müssen zur Schule! Beeil dich!”, sagte meine Mutter. War ich das einzige Kind hier? Im Badezimmer stand Ingrid am Zähneputzen. Sie war schon in der 3. Klasse. Sie schaute mürrisch. Als sie mich sah, hellte sich ihr Blick auf und sie spuckte mir die
Zahnpaste ins Gesicht und lachte. Das durfte ich nie. Deshalb war ich verdutzt. Dann spuckte sie einen Mund voll Wasser in mein Gesicht und rannte in ein Zimmer und blickte erwartungsvoll nochmal hinter die Tür. Ingrid! Das war es. Sie war älter als ich, aber ich hatte mich sofort verliebt. Sie roch nicht wie die anderen hier. Mehr nach Creme! Ingrid!
Wir stiegen in den Käfer. “Bist Du schon aufgeregt? Wolfgang? Du das mit Papa….” Wir fuhren durch die Straßen bis vor einen Uraltbau. Warum die den noch nicht abgerissen haben, dachte ich. Im Jahre 2000 wird alles anders, dachte ich. “Wolfgang! Ich rede mir dir, willst Du mich bestrafen?” Ich schaute Sie nur an und fragte: “Kann ich bei Ingrid wohnen bleiben?” Mama verstand mich nicht. Wieso auch. Verkatert. Haare wie ich es anfing zu hassen, nicht so wie die Frauen in den gelben Minikleidchen, nicht so wohlduftend wie Ingrid. “Gib mir einen Kuss.” Ich stieg aus. Zum Schultor meiner Grundschule, die ich 5 Jahre besucht habe.
In der Schule begrüsste uns die Rektorin und die Klassenlehrerin. Ich träumte noch von Ingrid und ihrer Creme-Haut und ihrer Zahnpastespucke in meinem Gesicht und fühlte wie mein Herz klopfte. “Wolfgang? Wolfgang!” drang sehr weit weg und dumpf in mein Ohr. Was wollten die? Ingrid!
Plötzlich stand dieser alte Drache vor mir. Mit Dutt und Haarnetz ihre grauen Haare zusammen gesteckt wie ein Grabkranz für Opa
nach seinem Tod 1969. Sie roch nach Creme, die sie so dick aufgetragen hat, dass ihre braun gefleckte Haut glänzte und aufgeweicht war und so wabbelig wie ein Hühnchen, was Oma in ihre Suppen machte. Sie roch nach Creme, aber gleichzeitig kam dieser Geruch aus ihrem Mund wie aus dem Gulli vor der Tür. Sie hatte einen Silberblick und schrie wie ein Feldwebel und lächelte dabei so falsch. Als wenn ich das nicht gemerkt hätte. Bei uns zuhause bei Opa war alles falsch. Die Betäubung von Ingrid ließ nach und das gute Gefühl wechselte in dieses Angstgefühl, wo einem die Wurst fast rauskommt. Diese weichen Knie. Wusste ich was die wollte von mir? “Na gut Wolfgang, nachher fällt dir bestimmt was ein!” Es klingelte und alle rannten aufgeregt in ihre erste Pause des ersten Schultages.
Benebelt hatte ich noch keinen Anschluss und ging erstmal zum Klo. Irgendwie schaute ich immer zum Tor des Schulhofes und dachte, meine Mama würde mich abholen. Oder Papa? Wann kommt der und hört wieder englische Platten? Vor der Klotür standen größere Jungs und versperrten den Weg. “Dick und Doof-Bilder oder was auf die Fresse!” Das war Dieter. Er schubste die anderen zur Seite und kam näher zu mir. Er war in meiner Klasse, aber schon ziemlich groß. Hinterher wusste ich, Dieter wiederholte die 1. Klasse das dritte Mal. “Wieso hast du so lange Haare? Bist Du ein Mädchen? Ein Beatle? Aufs Klo kannst du vergessen! Kostet drei Dick und Doof-Bilder.”
“Spielst Du Fussball?” - “Na los…!” Klaus holte einen Tennisball raus und wir fummelten, vielmehr sie fummelten. Ich kannte das ja nicht. Außerdem sah das sehr wild und gefährlich aus. Irgendwie nicht wie Fussball. Ausgerechnet der kleine wilde Dieter umfummelte die anderen. Dabei kam es zum Streit und schon hatte Dieter einen großen Jungen im Schwitzkasten. “Der ist aus der 4. Klasse…, der hat keine Chance, der macht jetzt Trick 7″, sagte der dicke Jürgen. Dieter war kleiner, aber der Junge, Frank hieß er, war am Boden. “Was ist Trick 7?” fragte ich. Jürgen druckste rum, er war ja dick und gehörte nicht zu der Bande von Dieter, Dicke gehörten damals einfach nicht dazu. Trick 7, so ein Quatsch, Dieter war einfach nur wild und kannte keine Angst und Schmerzen. Frank sah stark aus, war ein Streber und hatte reiche Eltern. Frank hat alles später zurück gezahlt….
Andere Jungs trugen Dieter auf den Schultern, wie einen Held, “Dieter, Dieter!” Der dicke Jürgen, und die anderen. Die waren aus seiner Bande. Dieter schubste mich an. “Hey, Doofmann, du siehst nicht aus wie ein I-Männchen. Wo kommst Du her? Du hast so lange Haare!” - “Mein Opa war im Krieg!”, fiel mir nichts anderes ein. Während wir in Zweierreihen auf dem Schulhof Aufstellung nahmen, sagte ich ihm das, es gefiel ihm. Vielleicht weil ich keine Angst hatte vor ihm und was normales gesagt
habe, außer ich rufe meinen Papa oder petze das.
“Echt? Hat der auch ein Gewehr?” Wieder log ich, weil ich ihn nicht verärgern wollte. “Ja, aber das hat der aber versteckt. Er war auch Boxer.” Jetzt war sowieso alles egal, wenn ich was auf die Fresse bekam, dachte ich, würde eine Lüge mehr nichts ausmachen. “Kennst Du unseren Hof auf der Bahnstraße? Im Hof bolzen wir immer mit der Bande!” - “Kannst Du Englisch? Mein Papa hört
immer englische Platten.” Diesmal nicht gelogen, ich wollte ablenken. “Meiner nicht, der glotzt nur Fernsehen!” - “Ich bin Wolfgang. Ich habe eine Freundin.” Jetzt musste ich doch wieder lügen. “Komm heute um 3 in den Hof. Bei uns gibt’s Mutproben, wenn du in die Bande willst!”

