Fr 25 Jan 2008
Buch - Die frühen Jahre
Geschrieben von Wolfgang unter Biografie
Ich bin Wolfgang, am 13.4.1962 geboren. Ich schreibe alles auf, wie es wirklich war, früher. Als die Zukunft anfing. Meine Eltern waren sehr jung. Oma sagte immer. “Eine Dummheit diesen Jungen JETZT in die Welt zu setzen!” Opa meinte: “Macht mit dem Jungen, was ihr wollt, aber nicht unter meinem Dach!” Für den war seine Zeit abgelaufen. Ich war zu früh gekommen und Opa wollte früher gehen und wartete darauf abgeholt zu werden, wie der immer zu in seinem Stuhl saß und vor sich her starrte. Seine Zeit war noch nicht gekommen, obwohl seine Zeit schon abgelaufen war.
Opa hörte noch die alten Europa Platten mit Marschmusik. Ja das ist kein Witz. So war das damals noch! “Wenn die Soldaten in die Stadt marschieren” und so… Wenn die Vergangenheit auch so war, wie die Marschmusik, dann verstehe ich meinen Opa, warum der gehen wollte. Nichts war heute mehr so! Ich konnte ihn einmal zum Lächeln bringen, als ich so durchs Wohnzimmer maschiert bin wie auf dem Plattenfoto. Das hat aber lange gedauert.
Er saß auf seinem Stuhl und schüttelte mit dem Kopf und sagte nichts, immer wieder. Ich weiß noch wie er nur mir alleine immer Sachen erzählte aus dem Krieg und so. Bis es ganz dunkel war im Zimmer und ich ihn schon kaum mehr sehen konnte. Er konnte gut erzählen und dachte, ich verstehe das alles nicht. Vielleicht erzählte er deswegen so gut. Ich konnte die Großen schon früh verstehen, weil es hier keine Kinder gab. Aber alle dachten ich wäre blöd, nur weil ich klein war, oder Wolfgang….
Immer sagte Oma: “Geht mit DEM mal zum Arzt, da ist was nicht richtig, seht Ihr denn nicht wie der mich IMMER so komisch ansieht”. Dabei habe ich immer gedacht, ihr macht das Spiel Spaß; Wer zuerst wegschaut, hat verloren.. Immer wenn Oma verloren hat, hat sie das gesagt, dass Mama mit mir zum Arzt müsste.
Bei Oma und Opa und Mama unter einem Dach zu wohnen, wurde dann wohl für Oma zu eng. Ich glaube mit 3 Jahren war das. Ihre Nerven waren zu angespannt und das Opa da immer nur rum saß. Ich wurde auch immer größer. Ich brauchte einen Platz zum spielen, hieß es. Irgendwann zogen wir weg. Dann lernte ich auch meinen Vater kennen.
Das erste Mal sah ich meinen Vater im grauen Kittel mit einem Schraubenzieher in der Tasche. Den Schraubenzieher konnte man immer zum Leuchten bringen wenn ich ihn in die Steckdose steckte. Er redete auch nicht viel und hörte auch Musik, aber ganz andere, das war Englisch! Zum ersten Mal habe ich mal was in Englisch gehört! Jetzt wusste ich auch was Oma immer mit Ausländer meinte.
Nun durfte ich nicht mehr bei Opa wohnen und die Platten und Geschichten anhören. Vielleicht hatten die Angst, dass ich irgendwann verstehen würde, was er für Geschichten erzählte. Ich habe alles verstanden, es war ja nicht in Englisch. Er musste oft weinen. Wenn er alleine im Wohnzimmer seine Platten hörte. Leider konnte mein Opa nicht mehr sehen wie Menschen auf dem Mond landeten. Denn jetzt begann eine neue Zeit. Wolfgangs Zeit war gekommen!

