Biografie


Wie fing alles an? Ich glaube die großen Titten von Gertrud in der Uni, wo ich damals Hausmeister war. Ich konnte nur Eindruck schinden, indem ich ihr eine Geschichte schrieb. Ich wollte nicht, dass sie mich als Künstler entdeckt, sondern ich wollte eine junge Frau. Ich dachte im grauen Kittel wirst Du ja nicht ernst genommen. Ich wusste, dass man nicht studieren musste um gut zu sein. Ich war Hausmeister und was hätte Gertrud gedacht, wenn ich zu ihr ins Semester gekommen wäre? Ging ja gar nicht, ich war ja nach der Schule abgegangen und habe mich für die Handwerkerlehre entschieden. Also musste ich was tolles schreiben. Ich steckte die Geschichte in einen Briefumschlag, den ich in der Unibibliothek in das Buch legte, was Sie seit Tagen aus lieh. Sie hatte wohl eine Arbeit zu schreiben. Ich weiß nicht ob sie die ganze Geschichte von mir las.

Die Geschichte, die ich Gertrud schrieb:

Metzgereifachverkäuferinnen machen mich schwach. Ich weiß ich sollte Metzgereien meiden. Ich sollte generell meine Ernährung umstellen, das wäre auch gesünder. Aber alleine der Geruch einer Metzgerei schaltet mein Hormonsystem auf Autopilot um. Nichts ist schwerer als gegen seine Ernährungsgewohnheiten anzugehen. Genauso wie bei seinem sexuellen Verlangen. Nicht umsonst sind Dicke Menschen nur frustrierte Singels, auch!

 

Wenn ich geil bin oder Hunger habe sollte ich Metzgereien meiden. Vielleicht vorher eine Schnitte essen oder mir einen runter holen. Vielleicht hilft das. Wenn ich Hunger habe oder geil bin, dauert es nicht lange und ich gehe aus dem Haus und schaue mir durch die Schaufensterscheibe stundenlang fette Fleischfachverkäuferinnen an. Was, denn? Andere gehen in Sexshops, ja und?

 

 

Nach dem Sex frisst man gerne, auch! Das liegt daran, dass in Filmen zwar der abartige Sex gezeigt wird, aber nicht wie die danach sich eine Kippe in den Hals stecken. Die mit der Kippe, sind die schlankeren Menschen.

Aber Martha ist anders. Martha ist ein Vollweib, 90 kg und einen Körper zum rumsauen. An dem Abend als sie mich zu sich einlud zum Krakauer-Essen, kam wir nicht mal zum Vorspiel mit Wurst und Senf, sie riss mich gleich ins Bett und knipste das Licht aus. Dann drückte sie mich an ihre Brüste. Ich roch Ihre Haut: ALRAUCH. „Greif Zu, ist genug da!“ keuchte sie.

 

Kaum beiße ich rein, schmeißt sich auf mich. Ich bekomme kaum Luft. Hüpfburg, denke ich. Aber unter der Hüpfburg! Und die Hüpfburg ist nicht mit Luft gefüllt, sondern mit Fett. Fett ist schwerer als Luft, oder? Aber weicher. Wieviel Atü hat sie wohl in den Armen? Kann man Fett in Atü messen? Nein auf Ihren Armen sind Krater, da ist wenig Luft drauf. Klar ist Fett schwerer als Luft, es sitzt ja alles unten bei ihr.

 

Das liebe ich an fetten Fleischfachverkäuferinnen. Ihr Nacken ganz besonders und ihre Achseln. Ich schmecke Marinade und Pökelsalz. Marinade von Nackenkotlets. Dann beugt sie sich zu mir. Ihre dicke Rippe nimmt mir den Atem. Ihr Gesicht kommt mir nahe und Ihre Schweinebacken tragen weißen Flaum wie Borsten auf Speckschwarten. Daraus machen die Metzger die Schnitzel für die Pommesbuden. Von Sinnen greife ich runter zu ihrem Bauchlappen, Sie grunzt. Mir wird schwarz vor Augen, ich gehe nie werde mit leerem Magen raus.

 

Am Hinterschinken ziehe ich an einem Knubbel und lasse wieder los. Er rollt sich regelrecht zusammen. Sie quiekt.

Klar doch! Alles passt sich der Umgebung an. Paare sehen sich mit den Jahren immer ähnlicher, Hunde und Herrchen sind wie Zwillinge, selbst Autofahrer sehen aus wie ihre Autos mit der Zeit, auch!

Ich erreiche ihren Naturdarm, kalt und glatt. Meine Finger bohren immer tiefer rein. Sie entspannt sich und ihr entweicht ein leiser langanhaltenes dumpfes Geräusch. Na, das spart ja richtig Heizkosten, denke ich mir. Sie drückt mein Gesicht genau dort hin. „Greif zu, ist genug da“, grunzt sie. Meine Zunge ertastet Leberwurst, Kräuterleberwurst. Oh nein, denke ich. Gierig strecke ich meine Zunge rein, werde geil und gierig. Ich verschlinge alles. Zwischendurch beiße ich vom Schinken ab, schmeckt salzig. Sie zuckt.und zuckt und zuckt. Plötzlich Stille. Ist sie gekommen? Eingeschlafen? Nein, sie schnarcht nicht. Sie liegt regungslos auf mir, egal denke ich jetzt, in Ekstase. Ich verschlinge nur noch ohne zu kauen, immer gieriger, dieses zarte Fleisch, so warm, salzig. Ich explodiere.

Am Morgen im Bett, liegt Martha neben mir. Sie macht einen angefressenen Eindruck. Scheiße, das muss aufhören, Wolfgang. Soviel Fleisch, das ist nicht gut. Das nächste Mal esse ich eine Scheibe Brot dazu.

 

Ich bekam eine Vorladung, drei Tage später, eine Anhörung vor meinem Chef, der Direktion und einem Beisitzer, der für Gertrud S. sprach. Ob ich das öfter mache würde, fing das dann an und „wir danken Ihnen endetete das. Nicht ganz. Nämlich nachmittags lag schon meine Kündigung im Briefkasten. Ich wollte doch nur eine Kurzgeschichte schreiben, meiner Gertrud zuliebe. So eine Geschichte sollte man mal als Film drehen.

Wolfgang isst Gammelfleisch

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Jeder hat Schwächen! Der eine isst zu viel, der andere trinkt zu viel und wiederum andere lieben sexuell Ausschweifungen. Fetische nennt man das auch. Aber ich habe mich nie in in Sexshops getraut, weil meine Mutter die mir ausgeredet. Nein, Nein, ich bin alles andere als verklemmt aufgewachsen. Aber ich war als Kind in einer 68er Kommune. Und in den 70er Jahren war meine Mutter mehr so eine Frau, die sich jeden Mann oder Frau holte und hatte etwas hasserfülltes gegen das spießige Sexleben. “Dein Vater, der geht da hin, wenn er von seiner Arbeit kommt. Grauen Arbeitkittel aus und vorher nochmal einen Blick über die Schulter, damit man nicht erkannt wird und dann ab in den Sexshop“.

Meine Mutter versuchte stattdessen, dass ich meine Sexualität frei lebte. Aber ich wollte so sein wie die anderen Jungs, die in normalen Familien aufwuchsen und starke Sprüche machten aus Verlegenheit jemand könne ihre Unerfahrenheit erkennen. Deswegen habe ich mich geschämt meiner herkunft geschämt, aus einer SEX-Wohngemeinschaft her zu kommen. Ich steckte in der Klemme zwischen dem emanzipierten Frauenbild meiner Mutter und den sexistischen Anzüglichkeiten und Sexkalauer meiner Freunde, die aus Arbeiterfamilien kamen.

Irgendwann habe ich mich nicht mehr getraut in den Sexshop zu gehen, weil ich dachte, jetzt bin ich zu alt dafür und man würde merken, dass ich das erste Mal drin bin. Ich hatte ja keine Vorstellung wie das da drin aussah, bis heute. Nachher schmeiße ich da was um oder muss bezahlen fürs Anfassen. Was fasst man eigentlich an im Sexshop an?

Ich habe mit der Zeit eine Vorliebe entwickelt, auch ohne Sexshop. Eine Vorliebe zu der meine Mutter nie abschätzig geredet hatte. Dann konnte das nur in Ordnung sein. Als ich damals mit meiner Oma einkaufen war, gingen wir eines Tages zum Metzger. Dort hingen an der Wand rote Fleischklumpen mit Rippen und so. Es roch nach Geräuchertem und so frisch nach Fleisch. Es war auch kühler und im Vergleich zur schwülen Luft draußen und ich genoss den Aufenthalt so sehr. Auch fiel mir eine Frau so um die 45 auf, die ganz freundlich zu mir rüberlächelt. Wie alt ich denn sei? “Sechs!” antwortete ich. “Ah dann kommst du jetzt bald in die Schule, ja dann bist Du ja schon groß, aber ich gebe dir trotzdem ein Stück Kinderwurst.”

So hat mich meine Mutter nie gefüttert. Die Wurst schmeckte mir, ihr Lächeln war so klar und ihre Stimme so laut, anders als meine meine bekiffte Mutter und ihre Freunde. Sie war so fürsorglich. Mit Ihrer weißen Schürze sah sie aus, wie eine Krankenschwester, nur das sie nach Wurst roch. Zumindest kam mir die Lust entgegen. Von Kopf bis Fuss nach Wurst, dachte ich. Die hat bestimmt nicht so Käsefüsse wie meine Oma. Die riechen bestimmt auch nach Wurst!

Na, schmeckst, kleiner Mann?” Jetzt zuckte ich zusammen, ihr Blick war so klar und lieb, dass ich am liebsten in die Arme gefallen wäre zum Ausheulen. So eine gute Frau, die Kinder riechen bestimmt auch nach Wurst. Meine Oma war ja meine Oma und sie war ja auch lieb, aber sie hatte Käsefüße, die rochen ganz besonders, wenn sie beim Fernsehen die Füße hochlegte. Seither mag ich keinen Käse, nur Wurst.

“Oma, wann gehen wir wieder zu der Wurstthekenfrau?” fragte ich. “Aber wir sind doch gerade erst raus, zu Metzger geht man nur einmal die Woche, ich habe uns Gehirn und Schweinefüße geholt, das magst du doch so!”

Ja mochte ich sehr, bis ich zum BSE Skandal gemerkt habe, dass mich meine Oma mit Rinderhirn fütterte oder war das Schweinehirn? Sie meinte es ja nur gut. Hättesie es gut gemeint, wäre sie mit mir täglich zu der Frau mit der weißen Plastikschürze.

So jetzt ist es raus. Ich habe eine Vorlieber für Fleischfachverkäuferinnen. Und das schlimme ist, ich habe nicht so viel Geld beim Metzger einzukaufen, also ist der Gang zum Metzger für mich so schwer wie in den Sexshop zu gehen. Manchmal esse ich 3 Wochen kein Fleisch und spare auch beim Bier und ich bin schon ganz aufgeregt, wenn ich statt zum Aldi richtig zum Metzger gehe. Ich habe schon Herzklopfen, muss mir etwas Mut antrinken. Drehe mich ständig um ob jemand zusieht wie ich zum Metzger gehe. Und dann drehe ich mich im letzten Moment um. Mein dämlicher Halbbruder, der Klaus ist ja auch Metzger, das macht es viel schlimmer, weil den jeder in der Stadt kennt. Das macht es besonders schwer, weil ich denke, die beim Metzger würden denken, dass ich die ausspioniere oder so. Es gibt viele Gründe…

Nein, ich erzähle es euch, ist ja auch egal, weils natürlich ist, ich habe eine Latte. Ich stehe vor dem Metzger und schaue mich um, in der Hoffnung keiner erkennt mich. Das ist ein Grund warum ich oft alleine bin, weil man mich verlabert hat, weil ich auch Metzgerweiber stehe, so wie die das im Fussballverein immer gesagt haben. Ich stehe auch Fleischfachverkäuferinnen, das ist was ganz anderes! Habe ich immer gekontert noch in der Umkleidekabine vorm Spiel, wenn meine Mannschaftskollegen mich vorm Spiel aufziehen wollte und die hat immer gegrölt, auch noch wenn die auf dem Platz standen. Die konnten gar kein richtiges Zuspiel weil der eine oder andere vor Lachen zusammen brach. Dann war ich es Leid. Diese sexuelle Offenheit, wie meine Mutter mir in der Kommune immer eingeredet hat, ist in Fussballmanschaften Tabus! Oder eine Lachnummer. Dann fingen die an mir Wurst und so eine Zeug in die Tasche zu packen oder in die Fussballschuhe um mich damit aufzuziehen. Das war übrigens der Grund warum ich meinen Trainerschein gemacht habe, damit die mich nicht mehr verulken. Aber getuschelt haben die immer noch. Deshalb habe ich lieber Geschichten dazu geschrieben und die Schnauze gehalten Aber Geschichten sollte man für sich behalten, wenn man kein Künstler ist.

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Ich wachte morgens auf und musste schon früh morgens am Zipfel spielen. August 1968. Dabei hatte ich nicht an diese gelben Minikleider gedacht. Diesmal stand Mama am Bett und faselte was davon, heute sei mein erster Schultag. Also dachte ich mit einem Steifen darf man in die Schule. Wie hat die das gemerkt?

Ich bemerkte in der neuen Wohnung zu sein. Ein Dreckloch. Der Grund warum ich damals Dieter so mochte, er hasste es auch, obwohl er es nicht kannte. Ich schlief bei Mama im Zimmer. Die vielen Zimmer standen fast alle auf, und alles nicht so eng wie bei Oma. Alle schliefen auf dem Boden auf Matrazen. Alle sahen aus wie Mädchen wegen der langen Haare. Mir wuchsen auch schon lange Haare, blind, und zerzaust. In den Zimmern standen viel mehr von diesen italienischen Flaschen, das war gut. Aschenbecher, voll bis oben. Kalter Rauch. Schweiß, Furz und süßer Rauch. Ich suchte erstmal nach den Weinflaschen, wo noch was drin war.

“Los wir müssen zur Schule! Beeil dich!”, sagte meine Mutter. War ich das einzige Kind hier? Im Badezimmer stand Ingrid am Zähneputzen. Sie war schon in der 3. Klasse. Sie schaute mürrisch. Als sie mich sah, hellte sich ihr Blick auf und sie spuckte mir die
Zahnpaste ins Gesicht und lachte. Das durfte ich nie. Deshalb war ich verdutzt. Dann spuckte sie einen Mund voll Wasser in mein Gesicht und rannte in ein Zimmer und blickte erwartungsvoll nochmal hinter die Tür. Ingrid! Das war es. Sie war älter als ich, aber ich hatte mich sofort verliebt. Sie roch nicht wie die anderen hier. Mehr nach Creme! Ingrid!

Wir stiegen in den Käfer. “Bist Du schon aufgeregt? Wolfgang? Du das mit Papa….” Wir fuhren durch die Straßen bis vor einen Uraltbau. Warum die den noch nicht abgerissen haben, dachte ich. Im Jahre 2000 wird alles anders, dachte ich. “Wolfgang! Ich rede mir dir, willst Du mich bestrafen?” Ich schaute Sie nur an und fragte: “Kann ich bei Ingrid wohnen bleiben?” Mama verstand mich nicht. Wieso auch. Verkatert. Haare wie ich es anfing zu hassen, nicht so wie die Frauen in den gelben Minikleidchen, nicht so wohlduftend wie Ingrid. “Gib mir einen Kuss.” Ich stieg aus. Zum Schultor meiner Grundschule, die ich 5 Jahre besucht habe.

In der Schule begrüsste uns die Rektorin und die Klassenlehrerin. Ich träumte noch von Ingrid und ihrer Creme-Haut und ihrer Zahnpastespucke in meinem Gesicht und fühlte wie mein Herz klopfte. “Wolfgang? Wolfgang!” drang sehr weit weg und dumpf in mein Ohr. Was wollten die? Ingrid!

Plötzlich stand dieser alte Drache vor mir. Mit Dutt und Haarnetz ihre grauen Haare zusammen gesteckt wie ein Grabkranz für Opa
nach seinem Tod 1969. Sie roch nach Creme, die sie so dick aufgetragen hat, dass ihre braun gefleckte Haut glänzte und aufgeweicht war und so wabbelig wie ein Hühnchen, was Oma in ihre Suppen machte. Sie roch nach Creme, aber gleichzeitig kam dieser Geruch aus ihrem Mund wie aus dem Gulli vor der Tür. Sie hatte einen Silberblick und schrie wie ein Feldwebel und lächelte dabei so falsch. Als wenn ich das nicht gemerkt hätte. Bei uns zuhause bei Opa war alles falsch. Die Betäubung von Ingrid ließ nach und das gute Gefühl wechselte in dieses Angstgefühl, wo einem die Wurst fast rauskommt. Diese weichen Knie. Wusste ich was die wollte von mir? “Na gut Wolfgang, nachher fällt dir bestimmt was ein!” Es klingelte und alle rannten aufgeregt in ihre erste Pause des ersten Schultages.

Benebelt hatte ich noch keinen Anschluss und ging erstmal zum Klo. Irgendwie schaute ich immer zum Tor des Schulhofes und dachte, meine Mama würde mich abholen. Oder Papa? Wann kommt der und hört wieder englische Platten? Vor der Klotür standen größere Jungs und versperrten den Weg. “Dick und Doof-Bilder oder was auf die Fresse!” Das war Dieter. Er schubste die anderen zur Seite und kam näher zu mir. Er war in meiner Klasse, aber schon ziemlich groß. Hinterher wusste ich, Dieter wiederholte die 1. Klasse das dritte Mal. “Wieso hast du so lange Haare? Bist Du ein Mädchen? Ein Beatle? Aufs Klo kannst du vergessen! Kostet drei Dick und Doof-Bilder.”

“Spielst Du Fussball?” - “Na los…!” Klaus holte einen Tennisball raus und wir fummelten, vielmehr sie fummelten. Ich kannte das ja nicht. Außerdem sah das sehr wild und gefährlich aus. Irgendwie nicht wie Fussball. Ausgerechnet der kleine wilde Dieter umfummelte die anderen. Dabei kam es zum Streit und schon hatte Dieter einen großen Jungen im Schwitzkasten. “Der ist aus der 4. Klasse…, der hat keine Chance, der macht jetzt Trick 7″, sagte der dicke Jürgen. Dieter war kleiner, aber der Junge, Frank hieß er, war am Boden. “Was ist Trick 7?” fragte ich. Jürgen druckste rum, er war ja dick und gehörte nicht zu der Bande von Dieter, Dicke gehörten damals einfach nicht dazu. Trick 7, so ein Quatsch, Dieter war einfach nur wild und kannte keine Angst und Schmerzen. Frank sah stark aus, war ein Streber und hatte reiche Eltern. Frank hat alles später zurück gezahlt….

Andere Jungs trugen Dieter auf den Schultern, wie einen Held, “Dieter, Dieter!” Der dicke Jürgen, und die anderen. Die waren aus seiner Bande. Dieter schubste mich an. “Hey, Doofmann, du siehst nicht aus wie ein I-Männchen. Wo kommst Du her? Du hast so lange Haare!” - “Mein Opa war im Krieg!”, fiel mir nichts anderes ein. Während wir in Zweierreihen auf dem Schulhof Aufstellung nahmen, sagte ich ihm das, es gefiel ihm. Vielleicht weil ich keine Angst hatte vor ihm und was normales gesagt
habe, außer ich rufe meinen Papa oder petze das.

“Echt? Hat der auch ein Gewehr?” Wieder log ich, weil ich ihn nicht verärgern wollte. “Ja, aber das hat der aber versteckt. Er war auch Boxer.” Jetzt war sowieso alles egal, wenn ich was auf die Fresse bekam, dachte ich, würde eine Lüge mehr nichts ausmachen. “Kennst Du unseren Hof auf der Bahnstraße? Im Hof bolzen wir immer mit der Bande!” - “Kannst Du Englisch? Mein Papa hört
immer englische Platten.” Diesmal nicht gelogen, ich wollte ablenken. “Meiner nicht, der glotzt nur Fernsehen!” - “Ich bin Wolfgang. Ich habe eine Freundin.” Jetzt musste ich doch wieder lügen. “Komm heute um 3 in den Hof. Bei uns gibt’s Mutproben, wenn du in die Bande willst!”

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In der kleinen Wohnung hatte ich Ausblick auf ein altes Trümmergrundstück. Da hätte ich gut spielen können. Ich wollte unbedingt
mal raus. Eigentlich ist alles gleich geblieben, nur das Opa nicht auf einem Stuhl saß, sondern Papa auf einem Stuhl saß im grauen Kittel. Wenn er von der Uni kam, rauchte er und hörte englische Platten. Irgendwie fehlte mir die Musik von Opa. Vielleicht weil Papa mir keine Geschichten von der Front erzählte. Papa erzählte Mama immer über Karl, was der bei der Arbeit wieder über das Studentenpack rumschimpfte. Mama schaute dann immer böse zu Papa, genau so lange wie ich immer Oma angeschaut habe, bis dann Papa wegschaute und nichts mehr sagte.

Papa wippte wie Opa zu der Musik und rauchte dann noch mehr. Im Winter war das ganz schön kalt, wenn dann Mama das Fenster aufriss. Es gab keinen Ölofen wie bei Opa. Raus kam ich selten. Bis ich in die Schule kam. Nur in den Garten mit dem Nachbarjungen, der so einen strengen Vater hatte. Denen gehörte der Garten hinterm Haus. Das musste der Feldwebel sein, wo von Opa immer erzählte. Zumindest schrie der oft. Auf einer kleinen Parzelle mit Teppichklopfstangen und einem Weg aus Waschbetonplatten durften wir nicht auf den Rasen spielen, nur auf den Platten laufen, aber leise, weil der Feldwebel schlief. Fussballspielen schon gar nicht. Obwohl der Junge echt einen tollen Ball hatte. Den hielt er immer fest. Bis mein Papa wieder von der Arbeit wieder da war.

Der Nachbarjunge zuckte immer zusammen wenn sein Vater ihn rief. “Ich muss rein!”, sagte er dann ganz schnell. Dann musste ich mit, durch den Waschkeller nach oben. Denn alleine durfte ich nicht in dem Garten bleiben. Der Feldwebel hatte keine Frau mehr. Wahrscheinlich hat der die erschossen. Wenn ich dann hoch kam, konnte ich im Hausflur immer hören wie es was auf den Arsch gab für den Jungen, aber ohne Marschmusik.

Zuhause war immer englische Musik, vor allem aus einem alten Tonbandgerät. Das war Englisch! Alles, was Opa nicht hörte. Jeden Abend waren lustige Leute zu Besuch. Sie lachten und redeten durcheinander. Und ich dazwischen, machte sie immer nach. Wie ich die marschierenden Soldaten nachgemacht habe für Opa. Aber der Besuch lachte viel mehr, als Opa. Irgendwie waren die alle so lustig, daran musste ich mich erst gewöhnen. Jetzt merkte ich endlich, dass meine Zeit gekommen war.

Meine Mutter erzählte sehr oft von Italien. Italien musste dort sein, wo man erst die Rotweinflaschen austrinkt, um dann eine Kerze rein zu stecken, damit man Licht hat. An den Rotwein konnte ich aber erst wenn ich alleine war, ich war ja erst knapp über 4 Jahre alt. Die Streichhölzer haben die versteckt aber nicht die Flaschen. Und die Restflaschen, wo noch was drin war, sowieso nicht. Das schmeckte sehr gut! So süß und dann wurde es warm. Ich wusste nicht wie viel man davon trinken durfte. Im Prinzip weiß man das ja nie! Ich wollte Papa auf den Rücken hauen wie es die anderen immer gemacht haben. Aber die haben nichts gemerkt, weil die noch mehr Wein getrunken haben als ich.

Also torkelte ich ins Schlafzimmer, wo Mama und ein Mann lagen. Eigentlich lagen später nachts immer die Leute, die zu Besuch kamen irgendwo rum. Hier im Schlafzimmer war es zwar leiser, aber dunkel und ich saß vor dem Bett auf einem Stuhl und der Stuhl drehte sich! Mama ging es von dem Wein auch nicht so gut wie mir, aber ich stöhnte nicht so laut wie Mama und hinterher auch der Mann. Deswegen habe ich sie in Ruhe gelassen. Still zu sein und klein und zu beobachten ist viel interessanter, man entdeckt da viel mehr. Wenn es einem schlecht geht, dachte ich, darf man nicht aufstehen, sonst fällt man und ich pinkelte vor mir in die Schuhe von dem Mann.

Oma hatte recht, dass ich zu früh auf der Welt war. Jetzt ein paar Jahre später war alles anders, ich gehörte dazu. Ich brauchte auch den Nachbarjungen nicht, der immer langweiliger wurde. Der hielt immer nur seinen blöden Ball. Die Großen, die abends zu Besuch waren, waren viel lustiger als der Feldwebel und der Nachbarjunge. Bloß den Wein haben die immer weggestellt. Dabei hat es erst damit besonders viel Spaß gemacht. Die wussten nicht, dass ich auch schon Weinkarussel fahren konnte.

Ich war nicht im Kindergarten. Oma schaute dafür immer rein. Oma wollte mich immer drücken, aber die stank wie der Waschkeller und noch etwas anderes, besonders aus dem Mund. Die kam bestimmt zu mir, weil Opa sich auch nicht drücken ließ. Leider kam sie jeden morgen und ich konnte nicht ausschlafen oder an meinem Zipfel spielen. Zu spät hatte ich gemerkt, dass es die beste Zeit war, auch wenn Oma so roch. Hinterher habe ich mir die Nase zugehalten und nur durch den Mund geatmet. Lustig war, wenn sie ihr Gebiss rausholte und Unsinn damit machte. Ich habe damit gerne Kasperpuppe gespielt und die stinkenden Zähne bewegt und was
gesagt, wie “Kiesinger ist ein Faschist”, wie der Mann, der bei Mama im Bett lag, immer sagte, “Kiesinger ist ein Faschist”.

In der Zeit hatte ich alle Freiheiten. Ich konnte tun und lassen, was ich wollte und ich konnte nachdenken. Über die neue Zeit. Ich schaute aus dem Fenster und sah, wie neue Häuser gebaut wurden, die anders aussahen. Auch sahen die jungen Frauen anders aus als Oma. Die jungen sahen bunt aus. In jede hätte ich mich verlieben können, aber ich hatte ja schon eine, meine Mutter. Mir gefielen am besten die gelben Minikleider. Dabei konnte ich am besten an meinem Pipimann spielen. Leider hatte meine Mutter nicht so ein Kleid. Wenn ich dann aus dem Fenster nach diesen Frauen schaute, beruhigte mich das irgendwie und ich konnte am besten nachdenken, über die Zukunft. Aus dem Fenster schauen, Frauen ansehen, wie Mama und am Zipfel spielen.

Auch Weintrinken am Morgen, das durfte ich nicht. Dabei waren überall Reste in den Flaschen. Das Weintrinken gelang mir nur einmal. Ich schaute auf die Baustelle gegenüber, wo eine Hochhaus gebaut wurde. Jetzt waren die schon so hoch wie mein Fenster und ich konnte den Arbeitern zuwinken, während ich aus einer fast vollen Weinflasche trank und an meinem Pipimann spielte. Dann haben alle zurück gewunken, auch auf der Straße. Das war lustig. Dann fuhr ich wieder Karussel. Und ich wusste, was Papa mit Fortschritt meinte. Dann musste ich immer an seinen Schraubenzieher denken, den er jetzt vor mir versteckt hatte. Jetzt einen Schraubenzieher haben! Dann wäre das Glück perfekt gewesen, dazu noch eine Frau wie Mama, aber dann im gelben Minikleid.

An dem Morgen ging ich betrunken zu dem Jungen nach unten, ich war ganz mutig an dem Tag, weil mir die Bauarbeiter gegenüber zugewunken haben, das war ein Zeichen, als wenn ich heute auch groß wäre. Also nahm ich Wein und Streichhölzer mit nach unten, um mit dem Jungen unten zu feiern. Wenn der schon nicht Ball spielen konnte, dann wenigstens Feiern. Der Feldwebel war ja in der Kaserne. Ich war ganz leicht und ich konnte mich am Treppengeländer festhalten, damit sich nicht alles so drehte. Das war
der Preis für das Großsein. Oma war beleidigt in der Küche zurückgeblieben. Peter, so hieß der Nachbarjunge, stand da wieder mit
dem Ball im Garten, den Ball umklammernd. Ich sagte, er bekäme die halbe Flasche Wein und die Streichhölzer, wenn ich mit dem Ball spielen dürfte. Es musste schnell gehen, weil ich sehr nötig musste, nach dem vielen Wein und das Karussell immer schneller wurde. So hatte ich das erste mal einen Ball in der Hand.

Ich ließ den Ball erst kullern und dann schoss ich drauf los. Der Ball gegen die Mülltonne, der Ball gegen die Wäsche vom Feldwebel, der Ball aufs Trümmergrundstück hinterm großen Zaun, wo keiner drauf durfte. Ich habe geschossen wie Gerd Müller, 4 Jahre später in Mexico, bei der WM. Ich rannte ganz stolz zu dem Jungen, der jetzt im Keller saß und die Streichhölzer ausprobierte. Es roch nicht mehr nach Oma dort. Nein irgendwie waren das jetzt die Streichhölzer. Die Flasche hatte er schon leer. Jetzt machte Peter ein Feuer, wie die Indianer, sagte er. Leider brannten die Kohlen nicht und wir nahmen die Putzlumpen, die auch schnell loderten. Mir wurde das zu unheimlich, weil ich wusste, wieviel Ärger das bei mir zuhause gäbe und ich mir vorstellte, der Feldwebel käme. Ich hörte nur sein Brüllen im Hausflur und ich rannte die Treppe hoch und es lief mir warm an meinen Beinen entlang. Ich lauschte im Treppenhaus aus sicherer Entfernung und hörte wie Peter eine “Wucht” bekam, so hieß das.

Erst dachte ich, der Feldwebel hat ihn erschossen. Aber ich habe keinen Schuss gehört. An dem Tag passierte so viel. Die Physiker sagen ja auch, Zeit sei relativ. Ich hörte nur ein Türknallen von meiner Mutter. Ich dachte erst, weil ich den Ball weg geschossen habe oder weil wir vor dem Feldwebel flüchten mussten. Dann zogen wir aber ohne Papa in eine Kommune, wo der Mann wohnte, der mit Mama geschrien hat. Das gehörte wohl zur neuen Zeit. Dort veränderte sich mein Leben vollkommen.

Trotzdem zogen wir wieder in ein altes Haus, was man längst hätte abreißen sollen. Außerdem rochen einige wie Oma, obwohl die viel jünger waren. Aber dort gab es keine Verbote mehr und keine Feldwebel! Da erlernte ich meine Lebensphilosophie des chinesischen Daodejing (Wu wei — Tun ohne zu tun). Aber dazu später: Das WOLFGANG-PRINZIP - 5 Wege zum GLÜCK. Wolfgangs Zeit war wirklich gekommen. So schien es.

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Ich bin Wolfgang, am 13.4.1962 geboren. Ich schreibe alles auf, wie es wirklich war, früher. Als die Zukunft anfing. Meine Eltern waren sehr jung. Oma sagte immer. “Eine Dummheit diesen Jungen JETZT in die Welt zu setzen!” Opa meinte: “Macht mit dem Jungen, was ihr wollt, aber nicht unter meinem Dach!” Für den war seine Zeit abgelaufen. Ich war zu früh gekommen und Opa wollte früher gehen und wartete darauf abgeholt zu werden, wie der immer zu in seinem Stuhl saß und vor sich her starrte. Seine Zeit war noch nicht gekommen, obwohl seine Zeit schon abgelaufen war.

Opa hörte noch die alten Europa Platten mit Marschmusik. Ja das ist kein Witz. So war das damals noch! “Wenn die Soldaten in die Stadt marschieren” und so… Wenn die Vergangenheit auch so war, wie die Marschmusik, dann verstehe ich meinen Opa, warum der gehen wollte. Nichts war heute mehr so! Ich konnte ihn einmal zum Lächeln bringen, als ich so durchs Wohnzimmer maschiert bin wie auf dem Plattenfoto. Das hat aber lange gedauert.

Er saß auf seinem Stuhl und schüttelte mit dem Kopf und sagte nichts, immer wieder. Ich weiß noch wie er nur mir alleine immer Sachen erzählte aus dem Krieg und so. Bis es ganz dunkel war im Zimmer und ich ihn schon kaum mehr sehen konnte. Er konnte gut erzählen und dachte, ich verstehe das alles nicht. Vielleicht erzählte er deswegen so gut. Ich konnte die Großen schon früh verstehen, weil es hier keine Kinder gab. Aber alle dachten ich wäre blöd, nur weil ich klein war, oder Wolfgang….

Immer sagte Oma: “Geht mit DEM mal zum Arzt, da ist was nicht richtig, seht Ihr denn nicht wie der mich IMMER so komisch ansieht”. Dabei habe ich immer gedacht, ihr macht das Spiel Spaß; Wer zuerst wegschaut, hat verloren.. Immer wenn Oma verloren hat, hat sie das gesagt, dass Mama mit mir zum Arzt müsste.

Bei Oma und Opa und Mama unter einem Dach zu wohnen, wurde dann wohl für Oma zu eng. Ich glaube mit 3 Jahren war das. Ihre Nerven waren zu angespannt und das Opa da immer nur rum saß. Ich wurde auch immer größer. Ich brauchte einen Platz zum spielen, hieß es. Irgendwann zogen wir weg. Dann lernte ich auch meinen Vater kennen.

Das erste Mal sah ich meinen Vater im grauen Kittel mit einem Schraubenzieher in der Tasche. Den Schraubenzieher konnte man immer zum Leuchten bringen wenn ich ihn in die Steckdose steckte. Er redete auch nicht viel und hörte auch Musik, aber ganz andere, das war Englisch! Zum ersten Mal habe ich mal was in Englisch gehört! Jetzt wusste ich auch was Oma immer mit Ausländer meinte.

Nun durfte ich nicht mehr bei Opa wohnen und die Platten und Geschichten anhören. Vielleicht hatten die Angst, dass ich irgendwann verstehen würde, was er für Geschichten erzählte. Ich habe alles verstanden, es war ja nicht in Englisch. Er musste oft weinen. Wenn er alleine im Wohnzimmer seine Platten hörte. Leider konnte mein Opa nicht mehr sehen wie Menschen auf dem Mond landeten. Denn jetzt begann eine neue Zeit. Wolfgangs Zeit war gekommen!

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