Wenn Sie interessante Menschen lieben. Dann schauen Sie sich Wolfgang näher an.
Wolfgang möchte groß rauskommen. Seine Devise: “Morgen ist auch noch ein Tag.” Er hat Talent. Er ist kreativ. Er prägte das Wolfgang-Prinzip!
Einige lieben Wolfgang, aber nicht alle. Er sei asozial, trashig, anarchisch, heisst es. Aber statt wie sie, die schön die Schnauze halten, unternimmt der Wolfgang wenigstens den Versuch, die Welt zu verändern. Oder zumindest morgen. Und das vor der eigenen Haustür, oder vielmehr in der eigenen Küche. Vieles spielt sich eben in der Küche ab, wie früher bei Oma.
Wolfgang schluckt eine Menge Tabletten für die Pharmaforschung oder um es richtig zu sagen, er macht es aus Begeisterung für die Forschung und wegen der “Kohle”.
Als Arzt möchte möchte ich es medizinisch sehen, objektiv und sachlich. Trotzdem finde ich ihn als behandelnder Arzt nett. So wie ich Eiter, Inkontinenz und Metastasen neutral sehe, rührt Wolfgang doch was in mir an, was mir in meinem Medizinstudium verwehrt blieb. Er ist einzig, der Wolfgang, wie jeder Mensch. Aus meiner Position ist es anrührend, an seinem Leben Teil zu haben. Er wird deswegen nicht besser, der Wolfgang, nur wir verdienen beide daran und das ist in dieser kalten Welt doch schon was. Wenn ich helfen kann, dann helfe ich eben.
Er hat einige Schwächen. Wolfgang liebt St. Pauli. Er ist St. Pauli-Fan. Ich würde ihm zu gerne mal eine Karte für ein Spiel schenken.
In wie weit man bei Wolfgang von einer bipolaren affektiven Störung sprechen kann, weiß ich noch nicht einzuschätzen. Er spricht zumindest nicht auf die indizierten Medikamente an. Darum ist diese Diagnose vielleicht ein Schema, in die ihn die Gesellschaft gerne packen würde. Ich sehe eher seine Neologismen, das Inkohärente Denken und Ideenflucht/Gedankenflucht als Folgeerscheinung seiner Medikamententests.
Leider lässt sich Wolfgang nicht von der Therapie abbringen, er “braucht die Kohle” und er macht doch alles gerne für die Forschung. Er selbst bezeichnete sich mal als Bin Laden der Arbeitslosen. Wolfgang meint damit sein Tourett Verhaltensweisen. Gerade in Konfliktsituationen wie Sex, Bier, Geld, Fussball, Forschung, Fernsehen kommen alle diese Störungen zusammen.
Nach seiner Chatsucht lernte ich Wolfgang in der Klinik kennen. Er wurde in die erste deutsche Klinik für Chatsucht eingeliefert. Das war die damals leerstehende Schwarzwaldklinik. Man behandelte ihn dann mit herkömmlichen Medikamenten. Uns war bislang die Behandlung dieser Störungen fremd.
Gerade das unglückliche Zusammentreffen seiner 68er-Kindheit und Web 2.0 und die rüde Tätlichkeit als Fussballtrainer haben sein Leben maßgeblich auf die Seitenlinie verfrachtet. Das bestätigt er immer wieder.
Das erklärt aber nicht, warum er Sexfantasien aller Art ausprobiert. Er behauptet, es aus Neugier zu machen. Wenn andere Dinge im Supermarkt klauen, zerstört er sie in kindlicher Neugier ohne böse Absicht. Milchtüten werden auf ihre Stabilität geprüft, wie das zwanghafte sinnliche Ausprobieren von ungenießbaren Produkten oder Sexpraktiken.
Fraglich ist, ob es Rache ist, wenn er ständig sagt “Ich scheiß euch was”. Die Agentur für Arbeit und die Arbeitsgemeinschaft Münster vermutet mit dem sozialen Dienst zusammen, es sei eine bewusste Aktion, um den ärtzlichen Dienst von seiner Arbeitsunfähigkeit zu überzeugen. Ich möchte als sein Arzt diese Vermutung nicht bestätigen… In dem Zusammenhang darf man Wolfgang erst garnicht ermutigen weil er ja sehr kreativ ist. Wäre er dumm, wäre alles für uns viel einfacher.
Wolfgang selbst gibt z.B. damit an, nur 3 Tage bei der Bundeswehr gewesen zu sein und daraufhin untauglich geschrieben worden zu sein. Er gab an, die Vorgesetzen provoziert zu haben, um dann kurzfristig wegen Bettnässens ausgemustert zu werden. Das spricht eher für seine Kunst, sich so zu zeigen, dass es zu seinem Vorteil gereicht. Er ist faul, strebt aufgrund seiner Kindheit in der Kommune nach Freiheit - und sein Credo “Ich scheiß euch was” bestätigt das alles.
Aber das sind nur medizinische Vermutungen. In meiner Doktorarbeit habe ich mich immer mit dem Jekill-und-Hyde-Syndrom beschäftigt. Daher fasziniert mich Wolfgang.
Der Unterschied zu der Horrorfigur ist, der Auslöser ist seine Umwelt oder die Medien, wie Web 2.0 oder auch Hundefutter. Das ist medizinisches Neuland. Er sieht in vielem auch Verschwörungstheorien. Das spricht widerum gegen Jekill und Hyde.
Was ist er nun? Clever, halbdumm, asozial, harmlos oder sogar ein asozialer Messias? Was will er uns sagen, wenn er Hundefutter isst? Hören wir nicht mehr richtig hin? Will er uns das sagen? Ich muss zugeben, aus medizinischer Neugier habe ich darauf hin selbst versucht, Hundefutter zu essen. Daher sehe ich Wolfgang als subversiven Anstifter. Ist er genial oder werden wir von seiner frechen Dummheit so geblendet, dass wir ihn lieben? Wird er später sogar ein ganzes Volk anstiften? “Wollt ihr die totale Metapher?” Zumindest käme Wolfgang auf solche Gedanken.
Er hat aber auch menschliche Züge. Er liebt Gerüche. Er schnüffelt gerne an Bierflaschen und Schlüpfern. Das scheint ihn zu beruhigen. In solchen Zeiten wirkt er eher verträumt. Vielleicht holt er sich in solchen Auszeiten die Muße für neue Ideen. Ich würde ihm zutrauen, durch Zufall und pure Dummheit die Weltformel zu finden, während man ihn ans Kreuz schlägt, nur weil er gerade Sex mit frischem Mett hatte.
Nur weil er Wege findet zu klonen, Ufophänomene erklärt, dass sogar ich sie verstehe oder Menschen einfach ablenkt und für kurze Momente von den Sorgen über ihre Börsenverluste zu entführen, ist er nicht gleich ein Übermensch. Er lebt nur das aus, was wir alle denken. Er verführt Menschen, seine eigenen Dummheiten zu belächeln, wie andere Männer gerne mal versuchen, 18-jährige zu nageln. Daran ist ja nichts verwerfliches. Sie sind ja volljährig.
Ich als Arzt werde immer meine schützende Hand auf Wolfgang legen. Und die andere Hand aufhalten, dafür, dass ich einen freiwilligen Probanden für medizinische Forschung und Medikamententests habe. Denken Sie daran. Vielleicht werden auch Sie morgen von einer Krankheit befallen, die nur geheilt werden kann, weil Wolfgang seit Jahren diese Medikamente für sie schon getestet hat.
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