Wolfgangs Vorgeschichte
Die neue Zeit
In der kleinen Wohnung hatte ich Ausblick auf ein altes Trümmergrundstück. Da hätte ich gut spielen können. Ich wollte unbedingt
mal raus. Eigentlich ist alles gleich geblieben, nur das Opa nicht auf einem Stuhl saß, sondern Papa auf einem Stuhl saß im grauen Kittel. Wenn er von der Uni kam, rauchte er und hörte englische Platten. Irgendwie fehlte mir die Musik von Opa. Vielleicht weil Papa mir keine Geschichten von der Front erzählte. Papa erzählte Mama immer über Karl, was der bei der Arbeit wieder über das Studentenpack rumschimpfte. Mama schaute dann immer böse zu Papa, genau so lange wie ich immer Oma angeschaut habe, bis dann Papa wegschaute und nichts mehr sagte.
Papa wippte wie Opa zu der Musik und rauchte dann noch mehr. Im Winter war das ganz schön kalt, wenn dann Mama das Fenster aufriss. Es gab keinen Ölofen wie bei Opa. Raus kam ich selten. Bis ich in die Schule kam. Nur in den Garten mit dem Nachbarjungen, der so einen strengen Vater hatte. Denen gehörte der Garten hinterm Haus. Das musste der Feldwebel sein, wo von Opa immer erzählte. Zumindest schrie der oft. Auf einer kleinen Parzelle mit Teppichklopfstangen und einem Weg aus Waschbetonplatten durften wir nicht auf den Rasen spielen, nur auf den Platten laufen, aber leise, weil der Feldwebel schlief. Fussballspielen schon gar nicht. Obwohl der Junge echt einen tollen Ball hatte. Den hielt er immer fest. Bis mein Papa wieder von der Arbeit wieder da war.
Der Nachbarjunge zuckte immer zusammen wenn sein Vater ihn rief. "Ich muss rein!", sagte er dann ganz schnell. Dann musste ich mit, durch den Waschkeller nach oben. Denn alleine durfte ich nicht in dem Garten bleiben. Der Feldwebel hatte keine Frau mehr. Wahrscheinlich hat der die erschossen. Wenn ich dann hoch kam, konnte ich im Hausflur immer hören wie es was auf den Arsch gab für den Jungen, aber ohne Marschmusik.
Zuhause war immer englische Musik, vor allem aus einem alten Tonbandgerät. Das war Englisch! Alles, was Opa nicht hörte. Jeden Abend waren lustige Leute zu Besuch. Sie lachten und redeten durcheinander. Und ich dazwischen, machte sie immer nach. Wie ich die marschierenden Soldaten nachgemacht habe für Opa. Aber der Besuch lachte viel mehr, als Opa. Irgendwie waren die alle so lustig, daran musste ich mich erst gewöhnen. Jetzt merkte ich endlich, dass meine Zeit gekommen war.
Seite 1 - Seite 2 - Seite 3 - Seite 4 - Seite 5 - Seite 6 - Seite 7 -