Wolfgangs Vorgeschichte
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Meine Mutter erzählte sehr oft von Italien. Italien musste dort sein, wo man erst die Rotweinflaschen austrinkt, um dann eine Kerze rein zu stecken, damit man Licht hat. An den Rotwein konnte ich aber erst wenn ich alleine war, ich war ja erst knapp über 4 Jahre alt. Die Streichhölzer haben die versteckt aber nicht die Flaschen. Und die Restflaschen, wo noch was drin war, sowieso nicht. Das schmeckte sehr gut! So süß und dann wurde es warm. Ich wusste nicht wie viel man davon trinken durfte. Im Prinzip weiß man das ja nie! Ich wollte Papa auf den Rücken hauen wie es die anderen immer gemacht haben. Aber die haben nichts gemerkt, weil die noch mehr Wein getrunken haben als ich.
Also torkelte ich ins Schlafzimmer, wo Mama und ein Mann lagen. Eigentlich lagen später nachts immer die Leute, die zu Besuch kamen irgendwo rum. Hier im Schlafzimmer war es zwar leiser, aber dunkel und ich saß vor dem Bett auf einem Stuhl und der Stuhl drehte sich! Mama ging es von dem Wein auch nicht so gut wie mir, aber ich stöhnte nicht so laut wie Mama und hinterher auch der Mann. Deswegen habe ich sie in Ruhe gelassen. Still zu sein und klein und zu beobachten ist viel interessanter, man entdeckt da viel mehr. Wenn es einem schlecht geht, dachte ich, darf man nicht aufstehen, sonst fällt man und ich pinkelte vor mir in die Schuhe von dem Mann.
Oma hatte recht, dass ich zu früh auf der Welt war. Jetzt ein paar Jahre später war alles anders, ich gehörte dazu. Ich brauchte auch den Nachbarjungen nicht, der immer langweiliger wurde. Der hielt immer nur seinen blöden Ball. Die Großen, die abends zu Besuch waren, waren viel lustiger als der Feldwebel und der Nachbarjunge. Bloß den Wein haben die immer weggestellt. Dabei hat es erst damit besonders viel Spaß gemacht. Die wussten nicht, dass ich auch schon Weinkarussel fahren konnte.
Ich war nicht im Kindergarten. Oma schaute dafür immer rein. Oma wollte mich immer drücken, aber die stank wie der Waschkeller und noch etwas anderes, besonders aus dem Mund. Die kam bestimmt zu mir, weil Opa sich auch nicht drücken ließ. Leider kam sie jeden morgen und ich konnte nicht ausschlafen oder an meinem Zipfel spielen. Zu spät hatte ich gemerkt, dass es die beste Zeit war, auch wenn Oma so roch. Hinterher habe ich mir die Nase zugehalten und nur durch den Mund geatmet. Lustig war, wenn sie ihr Gebiss rausholte und Unsinn damit machte. Ich habe damit gerne Kasperpuppe gespielt und die stinkenden Zähne bewegt und was
gesagt, wie "Kiesinger ist ein Faschist", wie der Mann, der bei Mama im Bett lag, immer sagte, "Kiesinger ist ein Faschist".
In der Zeit hatte ich alle Freiheiten. Ich konnte tun und lassen, was ich wollte und ich konnte nachdenken. Über die neue Zeit. Ich schaute aus dem Fenster und sah, wie neue Häuser gebaut wurden, die anders aussahen. Auch sahen die jungen Frauen anders aus als Oma. Die jungen sahen bunt aus. In jede hätte ich mich verlieben können, aber ich hatte ja schon eine, meine Mutter. Mir gefielen am besten die gelben Minikleider. Dabei konnte ich am besten an meinem Pipimann spielen. Leider hatte meine Mutter nicht so ein Kleid. Wenn ich dann aus dem Fenster nach diesen Frauen schaute, beruhigte mich das irgendwie und ich konnte am besten nachdenken, über die Zukunft. Aus dem Fenster schauen, Frauen ansehen, wie Mama und am Zipfel spielen.
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